Reiseführer: Amsterdam Athen Barcelona Dublin Granada Istanbul Lissabon London Madrid Paris Stockholm Tallinn Wien

Geschichte Rigas

Die Anfänge

Riga wurde im Jahre 1158 von deutschen Kaufleuten als Handelszentrum gegründet. Sie wurde bald darauf zur Hauptstadt von Livland (Lateinisch: Livonia) und war Sitz der Erzbischöfe von Riga, aber auch eine immer bedeutender werdende Handelsstadt.
Im Rahmen der Ostkolonisation versuchten die Bischöfe vor allem Deutsche im heidnischen Gebiet anzusiedeln. Militärisch wurden sie dabei vor allem von Ritterorden unterstützt, zunächst von dem Schwertbrüderorden und nach dessen Niedergang von dem Deutschen Orden.
Während des Mittelalters fanden ständig Machtauseinandersetzungen zwischen den Erzbischöfen von Riga und dem Deutschen Orden statt. Die Bischöfe versuchten dabei auch, Schutz bei nahen Staaten zu finden (wie z.B. Dänemark) aber auch beim Deutschen Kaiser.
Seit der Schlacht bei Neuermühlen 1492 erkannte der Erzbischof von Riga den Deutschen Orden als die Schutzmacht Livlands an. Nach dem Auseinderfallen Altlivlands konnte Riga als Freie Stadt seine Selbständigkeit innerhalb des Heiligen Römischen Reiches noch bis 1581 behaupten. Davor war Wilhelm von Brandenburg bis 1561 als letzter Erzbischof Territorialherr im Erzstift gewesen.
Auf Wunsch der Russen wurde das nördliche Ostseegebiet dem Schutz von Polen-Litauen unterstellt. Dann kam Riga 1621 bis 1709 unter die Herrschaft schwedischer Könige, welche zur gleichen Zeit deutsche Reichsfürsten waren.
In dem Großen Nordischen Krieg (1700-1721) kämpften Schweden und Russland um die Vorherrschaft der Ostsee. Nach der Niederlage der Schweden fiel die Stadt Riga zerstört durch die schweren Kämpfe 1710 an das Zarenreich. Ab 1796 wurde Riga Hauptstadt eines russischen Gouvernements. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde Riga schrittweise zu einem der wichtigsten Häfen Russlands ausgebaut, die Bevölkerungszahl der Stadt verzehnfachte sich zwischen 1850 und 1900. Trotz russischer Herrschaft blieb sowohl die Stadtkultur als auch der Großgrundbesitz bis ins 19. Jahrhundert vom Einfluss der deutschen Oberschicht im Lande geprägt. Bis 1891 war die offizielle Amtssprache Deutsch, dann wurde Russisch Amtssprache.

Das 20. Jahrhundert

1900 waren die Einwohner zur Hälfte Deutsch-Balten und zu je einem Viertel Russen und Letten.
Der Aufstieg Rigas nahm mit dem ersten Weltkrieg ein Ende. Die Stadt lag direkt an der Frontlinie und zur Sicherstellung der Kriegswirtschaft wurden 200.000 Einwohner (Arbeiter mit ihren Familien) für Rüstungszwecke nach Zentralrussland evakuiert.
Nach der deutschen Besetzung 1917/18 gelang es den Letten, am 18. November 1918 eine unabhängige Republik auszurufen. Die Rote Armee konnte den Anspruch der Sowjetunion gegen das von Deutsch-Balten unterstützte unabhängige Lettland nicht durchsetzen und musste sich aus dem Baltikum zurückziehen.
Riga wurde zur Hauptstadt Lettlands und am 18. März 1921 wurde hier der polnisch-sowjetische Friedensvertrag unterzeichnet. Die Stadt blühte bald danach auf. Deutsche, Russen, Letten und Juden vereinten sich zu einer Gesellschaft.

Der 2. Weltkrieg bis heute

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland wurde Lettland nicht nur von den neu anwachsenden nationalistischen Strömungen der Sowjetunion bedroht, die eine Angliederung des ehemals russischen Territoriums forderten. Im Hitler-Stalin-Pakt vom August 1939 vereinbarten die beiden Diktaturen, das Baltikum und damit auch Lettland der sowjetischen Einflusssphäre zuzuweisen. Im Herbst 1939 wurden die Deutsch-Balten vorsichtshalber ins "Reich" ausgesiedelt. Am 17. Juni 1940 rollten sowjetische Panzer durch Rigas Straßen und besetzten die Stadt, die nun Hauptstadt der Lettischen Sowjetrepublik wurde.
Nach dem Angriff auf die Sowjetunion 1941 eroberten deutsche Truppen das Gebiet um Riga. Die Zeit der deutschen Besetzung war von 1941 bis 1944; währen dieser Zeit wurde die jüdische Bevölkerung, die 1933 noch 44.019 Mitglieder hatte, im Rigaer Ghetto interniert, ermordet oder in andere Konzentrationslager deportiert. Im Stadtbezirk "Kaiserwald" (lettisch: Mežaparks) befand sich das KZ Riga-Kaiserwald.
Während der Rückeroberung der Stadt durch die Rote Armee wurde die Altstadt Rigas stark beschädigt. Ermutigt durch Perestroika und Glasnost erklärte das Lettische Parlament 1990 die Unabhängigkeit von der Sowjetunion. Daraufhin wurde die Saeima, das lettische Parlament, vom Militär besetzen. Es war erst Gorbatschows Nachfolger Boris Jelzin, der die baltischen Staaten 1991 in die Unabhängigkeit entließ.

Riga Informationen

Kontakt